„Unsere Brücke“ Förderverein Palliativmedizin, Homecare und Pflege an der Kreisklinik Ochsenhausen
Die Kreisklinik in Ochsenhausen ist eingebunden in den Klinikverbund des Landkreises Biberach. Seit Jahrzehnten besteht eine volle Integration mit der Kreisklinik in Biberach (Chirurgie und Innere Medizin. Dies bietet den Patienten aus dem Raum Ochsenhausen und dem Illertal, sofern notwendig, eine sofortige Versorgung mit den Errungenschaften der modernen Medizin (Herzkatheter mit 24 Stunden Bereitschaft, Schlaganfalleinheit, Computertomogramm, Kernspintomographie etc.).
Die Kreisklinik in Ochsenhausen bietet aber auch eine familiär-menschliche Atmosphäre, die jeder Patient, der sie einmal genießen durfte, gerne wieder in Anspruch nimmt. Gerade in der Zeit der Fallpauschalen (DRG,s) ein besonders wichtiger Teil des Genesungsprozesses.
Seit Jahrzehnten gibt es mit den niedergelassenen Ärzten des Raumes Ochsenhausen-Illertal eine kollegiale und optimale Zusammenarbeit im ambulanten und stationären Bereich.
Neben der Akutmedizin gibt es die Einrichtung der Kurzzeitpflege und des Hostels. Der weitere Ausbau der Kurzzeitpflege steht im Rahmen einer Sanierung des Krankenhauses unmittelbar bevor bzw. wurde inzwischen begonnen..
In einer Zeit, in welcher der Patient auf eine Fallpauschale reduziert wurde und nur die vorgeschriebenen Behandlungstage im Akutkrankenhaus bleiben darf, gewinnen Palliativmedizin, Brückenpflege und Homecare zunehmend an Bedeutung. Diese Verbindung zwischen Akutkrankenhaus und Zuhause wird von den gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen nicht bezahlt. Um hier Strukturen, im Interesse unserer Patienten aufzubauen, haben wir den Förderverein gegründet. Wir wollen ganz bewusst dies nur für den Raum Ochsenhausen- Illertal, dem direkten Einzugsgebiet der Kreisklinik Ochsenhausen beschränken. Wir werden mit ähnlichen Strukturen in Ulm, Ravensburg und Biberach (im Werden) zusammenarbeiten.
Unsere Ziele sind dabei nicht:
Häusliche Pflege oder Hospiz. Dies sind Strukturen, die im Raum Ochsenhausen optimal angeboten werden. Für diese Einrichtungen gibt es gesetzliche Regelungen der Krankenkassen und der Pflegeversicherungen. Auch wollen wir keine Aufgaben übernehmen, die der stationären Krankenversorgung oder den Hausärzten zuzuordnen sind und für die Gelder aus dem Gesundheitssystem vorhanden sind.
Wir wollen aber diese Strukturen gezielt vernetzten, da häufig Menschen in belastenden Lebenssituationen nicht in der Lage sind die vorhandenen Dienste auszuwählen.. | | Unsere Ziele sind: Schwer und chronisch Kranken in Zusammenarbeit mit den Krankenhäusern und den niedergelassenen Ärzten ein lebenswertes Leben mit medizinischer Sicherheit zu bieten. Hierfür gibt es an einzelnen Zentren in Deutschland schon funktionierende Strukturen, die örtlich zum Teil sehr großzügig durch Spenden unterstützt werden. Es gibt hierfür verschieden Begriffe, die im wesentlichen dasselbe Ziel haben:
Homecare, Palliativmedizin und Brückenpflege. Da der Begriff Brückenpflege unser eigentliches Ziel darstellt, aber nur onkologischen Zentren vorbehalten ist, haben wir den Verein, um auf diese Aufgabe hinzuweisen, „Unsere Brücke“ genannt.
Die Menschen sind häufig nach der Entlassung aus stationärer Behandlung zuhause oftmals alleine gelassen. Gerade Tumorpatienten, Schmerzpatienten, chronische Rheumatiker, chronische Diabetiker, Asthma- und COPD Patienten und chronisch Herzkranke müssen häufig und oftmals lange stationär behandelt werden und „fallen“ nach Entlassung in ein Loch, was rasch wieder zu einer stationären Einweisung führt.
Hier möchte unser Verein ansetzen. Durch erfahrene Schwestern, die den Patienten schon während des stationären Aufenthalts mitbetreut haben, wird der Patient auch zuhause weiterbetreut. Die Schwestern koordinieren die Betreuung des Patienten in Zusammenarbeit mit den Hausärzten und den Krankenhausärzten mit dem Ziel den Patienten einen möglichst langen Aufenthalt zuhause zu ermöglichen ohne dass die medizinische Betreuung gegenüber dem Krankenhaus schlechter ist.
Sie übernehmen (nach Rücksprache mit dem Hausarzt und ev, dem Krankenhausarzt) das Schmerzmanagement, die Verbesserung der Diabeteseinstellung und eine Stabilisierung der cardialen Therapie. Dieses Management hat den Vorteil, dass der Patient bei einer Verschlechterung der Situation schnellstmöglich in die geeignete Abteilung der Kreiskliniken eingewiesen wird und so oftmals kostbare Zeit gewonnen wird
Geeignete und geschulte Schwestern stehen dem Verein zur Verfügung. Es ist vorgesehen einen Bereitschaftsdienst einzurichten.
Da dies leider keine Kassenleistung ist, ist der Verein auf großzügige Spenden sehr angewiesen. Bei der zunehmend älter werdenden Bevölkerung (was eigentlich erstrebenswert ist) wird die Zahl dieser Patienten rasch ansteigen.
Auch im Bereich der Pflege hat sich der Verein Ziele gesetzt. Er wird dabei nicht die Basispflege Pflegebedürftiger übernehmen. Hierfür ist die Sozialstation bzw. stationäre Einrichtungen wie das Haus Goldbach oder ähnliche Einrichtungen zuständig.
Es ist vorgesehen für Menschen, die in unserer Kurzzeitpflegeeinheit und in unserem Hostel vorrübergehend untergebracht sind durch ein attraktives Unterhaltungsprogramm neue Impulse zu geben. So werden bereits mit dem örtlichen Gymnasium Erzähl-, Bastel- und Lesestunden durchgeführt, die bei jung und alt großen Anklang finden.
Fallbeispiele für die einzelnen Aufgabenbereiche | |
Ziele Förderverein / Pflege Wie könnte dies in der Praxis aussehen?
• Ambulanter Palliativdienst:
Hierbei möchte ich an einem aktuellen Fall (Jan. 2006) beschreiben: Ein Patient im Palliativstadium einer fortgeschrittenen Tumorerkrankung wurde aus der stationären Behandlung entlassen.. Der Patient und seine Ehefrau wünschte zum Zeitpunkt der Entlassung keine angebotene Netzwerke (Sozialstation, Hospiz).in Anspruch zu nehmen. Bereits kurz nach der Entlassung wurde der Patient bettlägerig, hatte stärkste Schmerzen und zunehmende Angst.
Erst dann informierte die Ehefrau die Sozialstation, diese informierte daraufhin den Hospizdienst. Zu einer Kontaktaufnahme kam es leider nicht mehr.
Der Patient starb 1 Woche nach der Entlassung in einem hoch angespannten und überlasteten Umfeld. Die Einsatzleitung der Hospizgruppe Illertal rief Wochen danach am Krankenhaus an, um zu besprechen, wie eine ähnliche Situation bei anderen Fällen verhindert werden könnte. Dieser und ähnlich gelagerte Fälle führten uns zur Gründung des Fördervereins.
Wie könnte dieses Beispiel nach Gründung des Fördervereins aussehen?
Patient und Angehörige wird von einer Pflegefachkraft vom Krankenhaus oder der Sozialstation präventiv besucht ohne eine Verpflichtung Leistungen eines ambulanten Pflegedienstes in Anspruch zu nehmen. Idealerweise von „Schwestern“ die ihm und seinen Angehörigen schon während des Krankenhausaufenthalts vertraut sind.
Hier könnte es so sein, dass bei einem langen guten stabilen Zustand der Hausbesuch als ein präventiver Hausbesuch in regelmäßigen Abständen gemacht wird. Hier steht vor allem die Beratung im Vordergrund. Dabei ist es wichtig mit den Patienten und Angehörigen rechtzeitig den Bedarf an zusätzlichen Diensten auszuwählen und somit das familiäre Potential zu entlasten und alle Beteiligten in der belastenden Situation zu unterstützen. Sollte sich die Situation verschlechtern ist eine weitere Vernetzung anzustreben. Hier sind vor allem von der Pflegefachkraft Expertenwissen im Bereich der Palliativ- Care, der Schmerztherapie und eine hohe Sozialkompetenz gefordert.
Es ist eine weitere Aufgabe des Fördervereins durch regelmäßige Fort- und Weiterbildungen der Mitarbeiter stets am „ State of the Art“ zu sein, um den Mitarbeitern und den betreuten Patienten ein Gefühl der Sicherheit zu geben.
Am konkreten Fall hätte eine frühzeitige Vernetzung durch einen präventiven Hausbesuch, eingeleitet werden können und Beratung und Kompetenz zu den aufkommenden Fragen bieten können. Hierbei wäre es vielleicht möglich gewesen das Potential der Angehörigen so zu steuern, dass auch die nachfolgende Trauerbewältigung für Angehörige besser gewesen wäre.
| | Zusammenfassung: Nicht nur für Tumorpatienten wäre ein Dienst mit präventiver Betreuung wichtig und bedeutend. Für viele Menschen mit chronischen Erkrankungen (z.b. Herzinsuffizienz, Diabetes, Demenz, Rheumatische Erkrankungen..) Wäre dieser Dienst in fortgeschritteneren Krankheitsstadien von ebenso großer Bedeutung und würde ihnen ermöglichen zuhause ein lebenswertes Leben mit der Krankheit zu führen. Diese Dienste wären eine wertvolle Unterstützung für die ambulanten Pflegedienste, Angehörige und Hausärzte, vor allem da er schon zu einem Zeitpunkt ein besonderes Vertrauensverhältnis zu dem Patienten aufbauen kann, zu einem Zeitpunkt zu dem in der Regel während des stationären Aufenthalt, bei dem noch kein ambulanter Pflegedienst einbezogen wurde. . Eine weitere Aufgabe sieht der Verein in der
• Förderung des Bürgerschaftlichen Engagements
Hierbei geht darum, durch die Einbindung von bürgerschaftlich engagierten älteren Menschen und Schüler Konzepte zu ermöglichen, so dass Menschen in der Kurzeitpflege- Einheit Oase und im Hostel ihre Selbständigkeit möglichst lange erhalten bleibt und /oder dass sie ihre Selbstständigkeit wieder gewinnen. Hierbei sind in der Zusammenarbeit mit den Gästen, den Angehörigen und dem Pflegepersonal gezielte Aktivitäten auszuwählen die Freude bereiten und den Einzelnen Kompetenz und Perspektiven vermitteln. Hierbei geht es vor allem darum, die bereits schon vorhandenen Konzepte weiterzuentwickeln: • Bürgerschaftliches Engagement, Gestaltung von Ferienprogramme (auch für die ältere Generation aus Ochsenhausen und Umgebung) • Förderung des Generationendialogs (Schulprojekte) • Besuchsdienste • Weiterführung des Erzählkaffes • Förderkonzepte für Menschen mit Behinderungen (Backstube mit älteren Menschen und mit älteren Menschen mit Demenzkranke)
Zusammenfassung:
. Aufgrund der demografischen Entwicklung ist dies unserer Meinung nach ein Schlüsselkonzept, das zu einem guten, menschlichen und würdevollem Altern und Kranksein in eigenen Umfeld beitragen kann.
Fazit: Die Bücke soll die Lücke im Versorgungsnetz Ochsenhausen – Illertal, von Krankenhaus mit Kurzeitpflege und Hostel, Sozialstationen, Altenzentrum Goldbach, Hausarztpraxen, bürgerschaftlich Engagierte, Hospizdiensten schließen.
Vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung könnte sich die Kreisklinik Ochsenhausen zum Gesundheitszentrum für ältere Menschen entwickeln.
Wir bitten die Bevölkerung, uns dabei zu unterstützen. Mitglieder des Fördervereins | |